Fieber,
anhaltende Erhöhung der Körpertemperatur. Als normal gelten 37 °C;
allerdings schwankt der Wert ein wenig, je nachdem, an welcher Körperstelle man
die Temperatur misst (rektal liegt sie etwa ein halbes Grad höher als im Mund)
und zu welcher Tageszeit man die Messung vornimmt (die Temperatur ist meist
frühmorgens am niedrigsten und am Spätnachmittag am höchsten). Außerdem
schwankt sie je nach Geschlecht (bei Frauen liegt sie etwas höher als bei
Männern) und der jeweiligen Tätigkeit (körperliche Anstrengung lässt die
Temperatur vorübergehend ansteigen). Viele alte Menschen bekommen bei
Infektionen gar kein oder nur sehr niedriges Fieber.
Fieber ist ein wichtiges
Mittel des Körpers, um Infektionen zu bekämpfen. Neben der
Temperatursteigerung beobachtet man eine Beschleunigung von Puls und Atmung
sowie häufig auch Kopfschmerzen. Bei Fieber verliert der Organismus viel
Wasser, so dass es zu Flüssigkeitsmangel kommen kann. Wasserverlust,
Appetitlosigkeit und der Abbau körpereigener Proteine führen zur
Gewichtsabnahme. Die Folgen des Flüssigkeitsmangels sind trockene Haut,
Mundtrockenheit und Verstopfung.
Stadien
Fiebrige Erkrankungen
verlaufen zumeist in drei Stadien. Bei einem Schub des Malariafiebers erlebt der
Patient z. B. zunächst ein Kältegefühl, das
häufig von starkem Schüttelfrost begleitet ist. Da die Hautdurchblutung
vermindert ist, wird die Haut kalt und blass; der Patient hat Kopfschmerzen und
leidet an Appetitlosigkeit. Etwa eine halbe Stunde nachdem der Schüttelfrost
eingesetzt hat, beginnt das zweite Stadium: Die Haut wird heiß und rot, und
kurz darauf erreicht die Temperatur ihren Höhepunkt. Etwa nach zwei weiteren
Stunden folgt das dritte Stadium mit sinkender Temperatur. Häufig schwitzt der
Patient stark, die Urinproduktion nimmt zu, und das Allgemeinbefinden bessert
sich langsam.
Schwankungen
Die Höhe des Fiebers schwankt
bei den einzelnen Krankheiten unterschiedlich stark. Eine genaue Auswertung der
Temperaturkurve ist deshalb für die richtige Diagnose und Behandlung von
großer Bedeutung. In manchen Fällen, z. B. bei
Typhus, sinkt sie langsam auf den Normalwert (Lysis), in anderen, so bei der
Lungenentzündung, fällt sie schnell ab (Krisis). Bleibt die Temperatur mehrere
Tage lang erhöht, spricht man von gleichmäßigem Fieber, schwankt sie dagegen
stark, nennt man das Fieber remittierend. Fieber, das mehrmals am Tag von
fieberfreien Phasen unterbrochen ist, bezeichnet man als intermittierend.
Fieber und Krankheit
Die Temperatur bei fiebrigen
Erkrankungen schwankt zwischen Werten knapp über dem Normalen und 43 °C,
aber Werte über 41 °C kommen nur selten vor.
Die Temperatur selbst stellt keine Gefahr dar, solange das Fieber nicht über 41 °C
steigt – bedrohlich ist aber die Zerstörung der körpereigenen Proteine und
Fette. Bei vielen Krankheiten ist mäßig hohes Fieber vermutlich nützlich,
weil es dem Organismus hilft, eine Infektion zu überwinden. In manchen Fällen
erzeugt man Fieber sogar künstlich, um Krankheiten zu heilen. Zu diesem Zweck
kann man elektrisch beheizte Wärmekammern einsetzen. Bei örtlich begrenzten
Beschwerden erwärmt man einzelne Gewebeabschnitte durch Mikrowellenbestrahlung.
Nützlich ist die Fieberbehandlung z. B. zur
Linderung der Symptome von Arthritis
sowie bei verschiedenen Nerven- und Hautkrankheiten. Früher wurde sie auch bei
Patienten mit Syphilis im Spätstadium angewandt. Der österreichische Neurologe
und Psychiater Julius Wagner von Jauregg beobachtete 1917, dass Patienten mit
dieser Krankheit erheblich gesünder waren, nachdem sie einen Malaria-Anfall
erlitten hatten, der von hohem Fieber begleitet wurde. Seitdem behandelte man
fortgeschrittene Syphilis mit Malariafieber; erst nachdem man das Penicillin
entdeckt hatte, löste die Behandlung mit diesem Antibiotikum die Fiebertherapie
in der Syphilistherapie ab.
Bei fiebrigen Erkrankungen ist
die erhöhte Körpertemperatur das auffälligste Symptom; solche Krankheiten
sind u. a. Rückfallfieber, rheumatisches Fieber,
Scharlach, Brucellose und Gelbfieber.